Trennung & Scheidung

Dem Verständnis von Begutachtung als einem auf Elternbefriedung abzielenden „Vermittlungsauftrag“ korrespondiert ein Bild von der Familie, auch der Trennungsfamilie, das sich von früheren Vorstellungen grundlegend unterscheidet. Demnach ist Familie nicht länger nur der Name für eine besondere Gruppierung von Personen – bestehend aus Mutter, Vater und Kind. Aus systemischer Sicht handelt es sich hier um ein exklusives, dynamisches System wechselseitig aufeinander bezogener Einzelner. Auf dieser Grundlage basiert seit der Kindschaftsrechtsreform von 1998 auch das Familienrecht. Seitdem sucht das Gericht bei strittiger Trennung nicht länger vorrangig nach dem „geeigneteren“ Elternteil, sondern bemüht sich zunächst um die Herstellung elterlichen Einvernehmens.

 

Hoch strittigen Trennungseltern zu vermitteln, dass sie trotz gescheiterter Paarbeziehung „als Eltern“ für ihr Kind weiterhin kooperieren sollen, ist jedoch leicht gefordert. Rational ist dieser Appell zwar richtig, „gefühlt“ ist vielen die Umsetzung in der Trennungskrise jedoch nahezu unmöglich. Das hat in erster Linie mit ihren zahlreichen Kränkungen, seelischen Verletzungen und vielen weiteren negativen Affekten und Gefühlen zu tun. Trotzdem gibt es keinen besseren Weg, um psychische Schadensbegrenzung für ihre Kinder zu betreiben. Um hoch strittige Eltern zu erreichen, verfügen systemisch-lösungsorientierte Sachverständige deshalb über eine Reihe besonderer Fertigkeiten und eine spezielle Methodik, damit ihre Befriedungsbemühungen nicht schon früh ins Leere laufen.

 

Grundhaltung des SV

Humanistisches Menschenbild

Der SV versteht ‚Trennung’ als eines der schwersten kritischen Lebensereignisse, die es zu bewältigen gilt. Viele Betroffene verfügen nur höchst unvollkommen über Kompetenzen zum konstruktiven Umgang mit dieser existentiell bedrohlichen Krisensituation. Dass dieser Mangel die Trennungsdynamik nachhaltig beeinflusst, bildet aus systemischer Sicht den Ausgangspunkt jeglicher Verhaltensbeurteilung.

 

Systemisches Familienverständnis

Aus systemischer Sicht bleibt für Kinder auch nach Trennung die emotionale Qualität ihrer Familie weiter bestehen. Oberstes Ziel des SV ist es deshalb, Konfliktpotentiale zwischen Eltern abzubauen, um sie wieder in die Lage zu versetzen, einvernehmlich kindorientierte Lösungen zu erarbeiten. Wo das nicht gelingt, versuchen Kinder, sich dem streitbedingten Stress zu entziehen (Coping). Dadurch sind sie häufig gleichermaßen aktiv Beteiligte im Trennungsprozess (etwa bei Umgangsverweigerung) wie Opfer der Unfähigkeit ihrer Eltern, sie von ihren Konflikten fernzuhalten.

 

Der SV aus systemischer Sicht

Der SV versteht auch seinen eigenen Arbeitskontext im Rahmen familiengerichtlicher Verfahren systemisch. Er sieht sich selbst nicht nur als Experten, der die Familie von außen beobachtet, sondern als vorrübergehend ins System der Angehörigen mit einbezogenen Fachmann, der sein psychologisches Wissen einerseits zur Aufklärung, andererseits als Gestaltungshilfe für Eltern einbringt. In diesem Rahmen forciert er Erfahrungs- bzw. Erprobungsmodelle bei der Lösungssuche, wobei, wenn erforderlich, selbst die gerichtliche Anhörung, noch zur Intervention genutzt wird: als letzte Chance, bis dahin nicht ausgeräumte Widerstände auf Elternseite mit Unterstützung des Gerichts möglicherweise doch noch aufzubrechen und in eine Kooperation zugunsten des Kindes zu überführen. Der systemisch-lösungsorientierte SV versteht sich in erster Linie als Gestalter und wird erst dann zum Entscheidungshelfer für das Gericht, wenn dieser Weg gescheitert ist.

Aktuell:

Kritische Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF e.V.) zu den beabsichtigten gesetzlichen Änderungen im SGB VIII für Kinder in Pflegefamilien und Heimen vom 04.05.2017
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Fachtage in 2017
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Inhaltliche und formelle Anforderungen an familienpsychologische Gutachten aus Sicht der systemisch-lösungsorientierten Begutachtung
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Fehlerhafte Gutachten im Familienrecht / Hagener Studie – Stellungnahme des FSLS
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